P e s s i n

 

Das weitaus bedeutendste Gebäude im Dorf ist das Herrenhaus.

Laut schriftlicher Datierung begannen die von Knoblauchs mit dem Bau im

Jahre 1419 mit einer Frühform des märkischen Gutshauses.

 

3 Jahrhunderte später wurde ein eingeschossiger Fachwerkbau errichtet,

im 19. Jh. erweitert und ausgebaut.

 

Die Familie von Knoblauch war für das Dorf jahrhundertelang von

großer Bedeutung. Begünstigt wurde die Entwicklung, die von der

Landwirtschaft abhing, von Standortbedingungen.

 

Die Gemarkung Pessin ist naturräumlich zum „Westhavelländischen

Ländchen“ zu zählen – liegt jedoch genau an der Grenze zum

Naturraum „Nauener Platte“ – einer leicht welligen Grundmoränenlandschaft.

 

Anhydromorphe, sandig-lehmige, flachwellige Platten mit vernäßten Senken,

teilweise vermoort, sind kennzeichnend. Die Flur hat damit einen ganz

anderen Charakter als die der Gemeinden am Rande oder im Havelländischen

oder Rhinluch. Diese Lage hat sicherlich die nachgewiesene frühzeitliche

Besiedlung begünstigt.

 

Die erste Nennung des Ortes stammt aus dem Jahre 1197,

die erste schriftliche Erwähnung vom 05. Dezember 1335,

als Markgraf Ludwig von Brandenburg den von Rochow die Bede in Pessin

verlieh. Im Jahre 1354 wurde urkundlich bestimmt, dass bis zur Begleichung

einer bestimmten Schuld alle Lehngüter aus Pessin, Berge und andere Dörfer,

die den Besitzungen der Gebrüder von Bredow nahe lagen, diesen zugesprochen

werden. Spätere Erwerbungen der von Bredows sind wohl darauf zurückzuführen.

 

Im Landbuch Kaiser Karls IV. – einige Jahre später – 1375 – werden die Nutzungsrechte
der von Bredows erwähnt, ebenso wie Besitz des Fritze von Knobelisk in Pessin.

 

Um 1375 nahm Pessin eine Fläche von 52 Hufen ein,

wovon 4 dem Hof der von Knoblauch und eine dem Pfarrer zuzurechnen waren.

Das Dorf hatte einen gut gehenden Krug und eine Windmühle.

 

In den folgenden Jahrzehnten gewannen die von Knoblauchs allmählich

die Oberhand. Von Bredow konnten noch einen relativ kleinen Besitz halten,

bis zur Aufgabe im Jahre 1928.

Das Gut wurde in Siedlerstellen aufgeteilt, Siedlungen am Dorfplatz,

an der Hamburger Straße, am Retzower Weg, an der Straße der Jugend und

am Friedhof wurden von 1929 bis 1931 gebaut und veränderten

das Dorfbild wesentlich.

 

Anfang des 17. Jh. gab es in Pessin 8 Rittersitze, von denen 7 den Knoblauchs

und nur einer denen von Bredow gehörte.

Unter der Herrschaft der von Knoblauchs wuchs das Dorf zusehends.

Weder die Kaiserlichen im 30jährigen Krieg noch die Schweden danach oder

die Franzosen Anfang des 19. Jh. hatten die Entwicklung aufzuhalten vermocht.

 

Anfang dieses Jahrhunderts wurden die Pessiner „Rittergüter 1. – 6. Anteils“

zu „Gutsbezirken I bis VI“.

Die Gutsbezirke IV, V und VI – inclusive Vorwerk Paulinenaue – wurden

seit 1912 Gutsbezirk Paulinenaue genannt.

 

Mit der Auflösung der Gutsbezirke im Jahre 1928 wurden

die Bezirke I – III mit dem Gemeindebezirk Pessin und

das Vorwerk „Rother Husar“ mit Paulinenaue vereinigt.

 

Vor 200 Jahren gab es im Ort 7 Knoblauch-Familien, doch nach und nach

lösten sie sich auf. Die Männer fielen als Offiziere oder hatten keine Nachkommen.

Anfang dieses Jh. verstarb Arnold von Knoblauch – ohne männliche Erben.

Es blieb nur noch Fritze von Knoblauch übrig und der mußte seinen Besitz

aufgeben. Das geschah im Jahre 1932 durch Zwangsversteigerung.

Damit erloschen alle Ansprüche.

 

Der Bodenreform fielen 2 Betriebe über 100 ha zu;

ein Teil wurde zum VEG Pessin;

ein Teil ging an Neubauern und auch Altbauern mit wenig Land.

 

Anders als in Brädikow ist die Landwirtschaft in Pessin

vielfältiger strukturiert.

 

Im Juli 1990 wurden die großen LPG Pflanzen- und Tierproduktion

auf ihre Orte aufgeteilt. In Pessin bildete man sofort die Havelluch

Agrar GmbH. Mit der Gründung dieser GmbH wurden alle gesetzlichen

Auflagen gegenüber den früheren Genossenschaftsbauern erfüllt,

wozu erhebliche finanzielle Mittel bereitzustellen waren und noch sind.

Es blieben schließlich 5 Gesellschafter übrig.

 

Im Jahre 1992 gründeten 6 Gesellschafter die Weidehof GbR zur Haltung

von 150 Stück Mutterkühen auf Pachtland. Mit Erfolg!

 

Ein Wiedereinrichter bewirtschaftet ca. 190 ha LN.

 

Schließlich gibt es noch 3 Nebenerwerbsbetriebe, die zusammen

etwa 110 ha nutzen und das Pessiner Bild abrunden.

 

Im Jahre 1900 wurde die Villa Winter gebaut.

Die Besitzer hatten auf dem Hof ein Gestüt und züchteten

für Berlin Rennpferde. Sie arbeiteten mit den Brüder Knauer in Paulinenaue

und dem Züchter August Damm in Friesack zusammen.

Doch bereits nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit dem Betrieb

bergab, die Familie starb aus.

 

Nach 1945 übernahm die LPG das Land. Das schöne Haus wurde

1980 für den Zweck – Altersheim für alleinstehende Damen -
ausgebaut und nach der Wende saniert (u. a. Dacherneuerung).

 

Im Turm der Kirche befinden sich 3 Glocken.

2 davon wurden im Jahre 1867 in Berlin gegossen,

eine ist wesentlich älter.

Man vermutet, dass sie um 1300 hergestellt wurde.

Sie ist die größte – mit 91 cm Durchmesser – und gehört zu den

stattlichsten in der Mark.

 

Das Besondere an ihr ist die Beschriftung in Spiegelschrift,

was durch das Herstellungsverfahren bedingt war.

Die Inschrift lautet – rückwärts gelesen und nach Auflösung

der Abkürzungen (zu deutsch):

 

„O König, Dir zu Ehren,

bin ich die heilige Maria,

mit Frieden gekommen – bete für uns“

 

Darunter fügte der Künstler – wiederum rückläufig zu lesen -
in kleinen Kursivbuchstaben hinzu (zu deutsch):

 

Nachdem Herr Jesus gespeist hat, gibt er Brot.

 

D. h.: den Anfang der Einsetzung des Abendmahls.

 

Hinzu kommen die kleinen sauber gezeichneten Darstellungen eines Fisches

und einer Hand, die den Becher hält.

 

Trotz der Abweichung von sonst üblichen Symbolen des heiligen Abendmahls

sind sie wohl darauf zu beziehen.

 

...

 

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 Streifzüge durch Ländchen und Luch“

 

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Viel Vergnügen beim Lesen   u n d

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