W a g e n i t z
Hier befand sich der wohl schönste Wohnsitz der Familie Bredow.
Wagenitz, das wohl zugleich mit dem Ländchen Friesack schon 1335 an die
Bredows gekommen war, ließ Markgraf Ludwig der Römer laut Kopitalbuch
im Geheimen Staatsarchiv am 31. März 1353 der Gattin des Peter von Bredow.
Hartwig von Bredow legte 1571 mit dem Bau der Meierei (Küchenhaus oder Schwedenturm) den Grundstein für das Wagenitzer Schloß.
Georg von Bredow baute 1587 – nachdem er seinen Anteil an
Friesack aufgegeben hatte –
ein massives Herrenhaus.
Er lebte bis in die Zeit des 30jährigen Krieges und fand während desselben
ein trauriges Ende.
Im Jahr 1634 wurde der Ort durch eine kleine Abteilung Schweden überfallen.
Da sind die Schweden auf den Hof gekommen.
3 waren es und sie haben zu fressen und zu saufen verlangt für sich und
die Kerle, die draußen unter der Eiche lagen.
Diese Eiche heißt heute Schwedeneiche.
Die Kerle haben aber nichts bekommen.
Da haben sie die Männer auf dem Hof angefallen und mit Gewalt rauben wollen,
was man ihnen nicht aus Angst überantwortete.
Der Bredow hatte jedoch eine Wache von Soldaten.
Die hat die Schweden festgenommen und Bredow hat befohlen, dass man sie
henkte. Die 3 Schweden wurden totgeschlagen und mit den Beinen nach oben
in die Weiden gebaumelt, die um den Puhl standen.
Der Puhl war mitten im Dorf, gerade vor der Schmiede.
Nun sind andere von den Schweden tags drauf ins Dorf gekommen und haben
ihre Kameraden in der Weide und im Winde hängen sehen.
Bauern haben sie sich dann gegriffen und geschriehen, sie würden ganz Wagenitz
„anböten“, wenn sie nicht erführen, wer ihre Kameraden in die Hölle geschickt.
In der Furcht, dass Feuer ihr Leben und ihr Habe fressen würden, verrieten die
Bauern den Bredow.
Nach einer langen Suche fanden sie den Bredow und fielen – vor Wut kochend –
wie die Teufel über den Herrn her. Er ist unter ihren Messern verblutet.
Jahrhundertelang hat man droben auf dem Holz noch den Blutfleck sehen können.
Es hieß, er ließe sich nicht wegmachen.
Auch seine ganze Familie wurde ermordet.
Nur ein Sohn im Alter von 11 Jahren – Hans Christoph – entging diesem Schicksal,
da er gerade auf der Schule in Brandenburg oder Wittenberg war.
Dieser überlebende Sproß der Familie hat sich später mit Ehefrau und Kindern
auf einem ca. 6 qm großen Gemälde darstellen lassen. Es ist heute noch
erhalten und in der um 1740 neugebauten Kirche
– rechts neben dem Altar -
angebracht.
Das Gemälde trägt die Jahreszahl 1667 und weist rechts den Vater mit
den 4 Söhnen; links die Mutter mit 6 Töchtern – alle stehend – aus.
Die Nachkommen dieses Hans Christoph waren noch später in Wagenitz,
Friesack, Kleßen, Görne, Dickte, Briesen, Landin, Kriele und Liepe im Ländchen
Friesack und außerdem in Stechow, Lochow, Damm, Zapel, Laslich und Mankmuß
anzutreffen.
Das Herrenhaus in Wagenitz wurde 1731 umfassend ausgebaut.
Auch Mitte des 19. Jh. erfolgten im Hause bedeutsame Veränderungen.
Die Innenausstattung des Schlosses enthielt eine Vielzahl von
Kostbarkeiten und Raritäten. Umfangreiche Sammlungen, historische Möbel,
chinesische Vasen, kostbare Seidenstickereien, viele Ahnenbilder und
andere Ölgemälde schmückten die Räume.
Das Schloß in Wagenitz war eines der stattlichsten und schönsten
Herrenhäuser in der Umgebung.
Es diente zugleich als Stammhaus der freiherrlichen Linie des
Geschlechts der Bredows.
All diese Pracht des Schlosses und der Familie Bredow
hatte 1945 ein Ende. Das Schloß brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Die Familie Bredow verließ Wagenitz und ging in den Westen.
Die Ursache des Brandes ist ungeklärt.
Das Land wurde – lt. Erlaß der sowjetischen Besatzungsmacht – von
1945 – 1949 als Bodenreformland an Siedler und Neubauern vergeben.
Ihnen wurde dadurch eine neue Existenz gegeben.
Unmittelbar an das Schloß grenzte ein 8 ha großer wunderschöner Park,
der viele seltene Baumarten enthielt.
Einige ältere Bürger des Ortes können sich noch gut an die Pracht und Schönheit
des Parks erinnern. So waren dort kleine Liebesinseln,
der Eierberg, Himmel und Hölle, die Hirschkoppel, der Karpfenteich und
vor allem saubere gepflegte Wiesen und Wege vorhanden.
Da die Pflege des Parks über Jahre vernachlässigt wurde, sind viele
dieser Blickpunkte verloren gegangen.
Seit der Wende – genauer seit Okober 1990 – wurde mit Hilfe
von ABM-Kräften ein großer Teil des Parks wieder für die Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Er lädt heute nicht nur Einheimische, sondern
auch viele Besucher zu einem erholsamen, besinnlichen Spaziergang ein.
Eines der interessantesten Bauwerke des Ländchens Friesack ist der sogenannte
„Schwedenturm“ in Wagenitz – auch eines der ältesten.
Der Schwedenturm wurde 1571 gebaut und war ursprünglich eine Küche.
Schon seit dem frühen Mittelalter errichtete man bei größeren Betrieben, wie
Klöstern und Schlössern, zuweilen besondere, freistehende Küchenbauten, eigenartig
gestaltete Bauwerke, bei denen über den ganzen Küchenraum ein oder mehrere nach oben verjüngte Rauchfänge aufsteigen, die öfters auch kuppelartig zusammengefaßt sind.
Ein hoher – den ganzen bedeutenden Herdraum überwölbender, allmählich zum
Schornstein sich verjüngender Küchenkamin findet sich häufig in alten Prediger-
und Schulzenhäusern der Mark; auch in städtischen Häusern.
Diese Küchenkamine sind aber stets mitten im Haus und mit überdacht.
Bei dem Wagenitzer Schwedenturm ist jedoch eine Überdachung nie geplant –
geschweige denn ausgeführt worden.
Das Bauwerk ist durch eine mittlere Scheidewand in 2 gleiche Hälften geteilt.
In jedem Raum stand an der Scheidemauer ein Herd.
Die jetzigen Gewölbe wurden später eingespannt, wobei auch wohl die
äußeren Strebepfeiler angebaut wurden. Dass die Strebepfeiler später
angebaut wurden, ist anzunehmen, weil die darin enthaltenen Ziegel
ein kleineres Format als die Backsteine der Mauer besitzen.
Nach dem zweiten Weltkrieg – als Wohnraum knapp war – nutzte man den
Schwedenturm auch zu Wohnzwecken, bis zum Jahre 1969.
1979/80 erfolgte ein teilweiser Einsturz des östlichen Rauchfangs und
in der Nacht vom 08. bis zum 09. Januar 1984 stürzte
der östliche Rauchfang vollständig ein.
Von 1991 – 1994 fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten am noch
vorhandenen Teil des Schwedenturms statt.
710.000 DM wurden investiert.
Am 01. Juli 1994 erfolgte die Bauabnahme des Küchenhauses.
Die Außenanlagen um den Turm erhielten ein angenehmes Äußeres.
Es wurden Wege angelegt und Grünflächen geschaffen.
Im Jahre 1995 wurde damit begonnen, eine Heimatstube einzurichen.
Die landwirtschaftliche Bedeutung der Kartoffelbrennerei – wie sie sich im
östlichen Deutschland entwickelte - war auch in Wagenitz anzutreffen.
Die Baronin, die erste Frau von Joachim Ludwig von Bredow
(25. Sept. 1867 – 12. Dez. 1941)
ließ ca. 1890 bis 1900 - neben anderen Gebäuden -
im Ort auch eine Brennerei bauen.
Die Baronin von Bredow kam aus einer sehr wohlhabenden Familie
aus Leipzig und hatte so die erforderlichen Mittel zum Bau dieser Gebäude.
Bis Ende des Zweiten Weltkrieges – im Jahr 1945 –
war die Brennerei im Besitz der Familie von Bredow,
danach einige Jahre in Verwaltung der Brennmeister Arthur Raths und Lamprecht.
Obwohl sie maschinell bestens ausgerüstet war, wurde sie 1952 stillgelegt.
So fand die eigentliche Nutzung der Brennerei,
die Herstellung von hochprozentigem Alkohol – Sprit –
ein E n d e ; hergestellt aus Kartoffeln.
Nach der Stilllegung der Brennerei nutzte die 1953 gegründete LPG das
Gebäude für die unterschiedlichsten Zwecke. Einige Jahre diente es als
Lagerschuppen, auch war der Speicher des Betriebes dort untergebracht.
Der Keller wurde sogar zur Aufzucht von Enten und Broilern umfunktioniert.
In den 80er Jahren erfolgten umfangreiche Bauarbeiten an der alten Brennerei.
Die oberen Wohnungen wurden modernisiert und ausgebaut.
Auch entstand eine modern ausgestattete Betriebsküche mit Nebenräumen,
eine Kantine sowie entsprechender Büroraum.
Nach der Wende – im Sommer 1991 – wurde die Betriebsküche, in der von
Montag bis Freitag täglich 300 Essenportionen zubereitet wurden,
aus Kostengründen geschlossen.
Sogar ein Friseursalon eröffnete am 15. Juli 1986.
Frau Conny Mundt arbeitete zuerst einige Jahre als PGH-Angestellte und
übernahm am 10. Dez. 1990 diesen Salon als selbständige Unternehmerin.
Die Räume des Kellers wurden ebenfalls umfangreich saniert und ausgebaut.
Anfang Oktober 1985 eröffnete in diesen alten Gewölberäumen
die Gaststätte „Zum Kellermeister“.
Sie bietet 100 – 120 Personen Platz.
Täglich ab 11.00 Uhr haben Gäste die Möglichkeit, die Spezialitäten
des Hauses zu genießen.
...
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