H a a g e
... ist ein kleiner idyllischer Ort mit Wiesen und angrenzenden Misch- und
Kiefernwäldern – typisch für die Mark.
Im Landbuch des Kaisers Karl IV. von 1375 wird ein Petrus de Hag
- Ratsherr in Wusterhausen/Dosse – 1307 als Besitzer von Gut und Land Hag
genannt. Dieser früher bezeugte Herkunftsnahme kann nicht eindeutig auf den
Ort im Havelland bezogen werden, sondern auch von der Wüstung Hage,
Kreis Havelberg, stammen.
Auch Haage kann ein übertragener Name
– nach Vorbild aus den Herkunftsländern der Siedler im 12. und 13. Jh. –
sein. Namensübertragungen von „Terhagen“/Prov. Antwerpen in Belgien ist nicht auszuschließen – für den Ausgangsort fehlen jedoch die alten Belege.
Der Name Haage – oder richtiger Hage – kann auch deutschen Ursprungs sein
und einen Wald oder einen Ort im Walde bedeuten.
Die vorhandenen Nachrichten über das Dorf reichen nicht soweit, um sagen zu können,
ob und welche Besitzungen und Rechte der Familie von Bredow zu Hagn übertragen wurden, als ihr im Jahre 1335 Stadt und Land Friesack vom Markgrafen Ludwig zu Lehn
gegeben wurde.
Von 1375 bis 1872 hat Familie von Bredow zu Friesack über Dorf und Rittersitz Haage
nebst der Feldmark Seemark (um 1614 als wüste Feldmark bezeichnet),
Dallgische Mark, Große und Kleine Hahnebalze verfügt.
Um 1580 gab es in Haage:
1 Meierhof mit 8 Hufen und einen großen Baumgarten, 1 Schäferei,
4 Feldmarken: Seemark, Dallgische Mark, Große und Kleine
Hahnenbaltze, 1 Dreihüfner, 8 Zweihüfner, 1 Anderthalbhüfner,
6 Einhüfner, 1 Halbhüfner, 2 Kossäthen, 1 Heiligmann, 1 Krüger (Gastwirt).
Im Jahre 1614 überließ der bisherige Besitzer – Lippold von Bredow auf Friesack –
die Güter von Hage dem Hans Segebant von Bredow auf 50 Jahre zum erheblichen
Wiederkauf. Hage wurde damals so auf die 12.322 Thaler geschätzt.
Die allein zu Haage gehörige Hufenzahl gibt das Schloßkataster vom Jahre 1624 bis 34 an,
von welchen (seit 1614) 4 zum Rittergute gelegt wurden. Die übrigen verblieben
im Besitz von 20 Hüfnern. Später vergrößerte sich der Besitz der von Bredow
durch den Ankauf von Land von den Bauern und durch Rodungen,
dass im Jahre 1800 bereits 3 Güter den von Bredows gehörten.
Hier ein Spott-Vers auf den märkischen Adel:
Die Puttlitz die Öllsten.
Die Rochows die Stölzsten.
Die Itzenplitz die Schwersten.
Die Bredows die Mehrsten.
Im Jahre 1626 baut ein Segebant von Bredow eine Kirche in Haage.
Der 30jährige Krieg von 1618 – 1648 wütete im Land und richtete überall großen Schaden an.
Viele Menschen ernährten sich fast nur noch von Wildwurzeln oder Unkraut.
Dazu kam noch die Pest.
Die Menschen flüchteten in die Wälder.
Es gab fast nichts mehr zu essen. Das Brot bestand meist aus Eicheln,
Bucheckern, Bollenkaff, Erbsen und Hafer. Die Hungersnot wurde immer schlimmer.
Die Menschen scheuten sich nicht, die Kadaver vom Vieh anzuschneiden.
Ab 1643 kamen keine Truppen mehr.
In den folgenden Jahren besserten sich die Verhältnisse – die Jahre wurden fruchtbarer.
Die Menschen atmeten auf und versuchten einen Neuanfang.
Gerade hatten sich die Menschen von diesem furchtbaren Krieg erholt, kamen
die Schweden ins Land...
Von 1808 bis 1812 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben.
Der Grund und Boden wurde vermessen und aufgeteilt.
Die Bauern zahlten ihre Ablösung in Form einer Geldrente.
Am 20. März 1809 übernahm Leopold Friedemann von Bredow das Gut Hage,
nachdem er es seit dem Tode des vorigen Besitzers – des Domherrn Otto Friedrich
von Bredow auf Senzke und Hage – in Gemeinschaft mit seinen beiden Brüdern
- Filipp Heinrich Ludwig Karl von Bredow auf Retzow und
Klaus Wilhelm von Bredow –
Leutnant im Dragoner Regiment –
unter Vormundschaft des Herrn von Zieten auf Brunne – besessen hatte.
Wenn auch Haage im Kriege 1813 nicht an den großen Militärstraßen lag
- vor Einquartierungen und anderen Lasten blieb das Dorf nicht verschont.
63 Männer traten der Landwehr und dem Landsturm bei
– 5 von ihnen kehrten aus diesem Krieg nicht lebend zurück.
Eine Gedenktafel – noch aus der alten Fachwerkkirche
stammend –
befindet sich noch in der Kirche.
Als Napoleon besiegt war, mußte Haage 500 französische Kriegsgefangene
eine Nacht beherbergen. Um das Desertieren der Gefangenen zu verhindern,
mußte der Landsturm – bewaffnet mit Sensen und Heugabeln, denn andere
Waffen hatte man nicht – nachts um das Dorf patrouillieren.
1849 lebten in Haage 400 Personen.
Im Jahre 1851 wurde eine neue Gemeindeordnung in den westhavelländischen
Kreisen eingeführt. Der Antrag des Hauptmanns von Bredow zu Haage auf
Vereinigung des Rittergutes mit dem Dorfe Haage zu einem Gemeindebezirk
wurde abgelehnt. Die Gemeinde war wegen der zusätzlichen Kosten dagegen.
Herr von Bredow protestierte. Bei einer Verhandlung im Ort wurde der neue
Gemeindebezirk – bestehend aus dem Dorf Haage und dem Rittergut –
gegründet.
Im Jahre 1854 ist das Schulhaus – erbaut nach dem Brande von 1806 – bereits
baufällig, so dass ein Neubau notwendig wurde.
Die Volkszählung im Dezember 1858 ergab eine Einwohnerzahl von 442 Personen.
1860 hatte das Dorf: 4 öffentliche Gebäude, 44 Wohnhäuser und 85 Wirtschafts-
gebäude – darunter eine Getreide- und eine Ölmühle, 2 Abbauten (das sind
Bauten außerhalb des Ortes – in diesem Fall die beiden Chausseehäuser).
Das Rittergut hatte 12 Wohn- und 25 Wirtschaftsgebäude sowie
ein Forsthaus im Wald.
Die erste Postagentur wurde im Jahr 1901 eingerichtet.
Das erste Telefon wurde 1904 installiert.
1915 hat sich die Gemeindevertretung erstmals mit dem Anschluss des
Dorfes an die Überlandzentrale zu befassen. Es gab zu der Zeit noch
kein elektrisches Licht in Haage. Aber erst fast 2 Jahre später entschließt
man sich für den Anschluss. Im April 1918 wird das Transformatorenhaus
gebaut. Es kostete 3.817,21 Rechsmark.
1919 brannte dann endlich das erste elektrische Licht im Ort.
14 Männer aus Haage fielen im Ersten Weltkrieg.
Der Zweite Weltkrieg hatte bedeutende Auswirkungen auf die Landwirtschaft.
Da es an Arbeitskräften mangelte, wurden Arbeiter aus anderen Ländern geholt.
So arbeiteten auf dem Gut in Senzke 44 italienische Landarbeiter.
29 Soldaten aus Haage verloren ihr Leben.
Viele Flüchtlinge kamen, versuchten eine Bleibe zu finden oder zogen weiter.
Wer blieb, brauchte ein Dach über dem Kopf. Für viele war das Schloß das erste
neue Zuhause. Wer im Dorf einen Raum übrig hattte, mußte Flüchtlinge aufnehmen.
So wurden dann oft Einfamilienhäuser von 2 bis 3 Familien bewohnt.
Am 28. Okt. 1946 übergab der Kommandant von Haage das Gut von Haage
mit seinen Ländereien, soweit es nicht von der sowjetischen Armee bearbeitet
wurde, zur Aufteilung frei.
Am 16. April 1953 wurde die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
(LPG) „Frohe Zukunft“ in Haage gegründet. Ca. 16 – 18 Mitglieder zählte diese LPG
Typ III (Typ III hieß: es wird alles mit in die LPG eingebracht – Vieh, Acker, Geräte).
Bereits im Juni 1953 waren die meisten wieder ausgetreten.
Es herrschte ein großes Durcheinander, denn jeder holte sein Vieh und
seine Gerätschaften zurück.
Der verbleibende Rest von 4 – 6 Mitgliedern bildete dann
den Grundstück der ersten LPG.
Schlechte Zeiten kamen für die Einzelbauern.
Die Abgaben waren hoch und wer sein Soll nicht erfüllte, hatte alle erdenklichen
Nachteile zu erwarten. Hinzu kam der Druck, der LPG beizutreten.
Es herrschte überall große Mutlosigkeit.
Um dem Zwangseintritt in die LPG zu entgehen, verließen viele Bauern und
Neusiedler Haus und Hof und flüchteten in den Westen.
Aus Haage verließen 14 Bauern mit ihren Familien ihr Zuhause.
Die Nutzungsflächen dieser Republikflüchtigen wurden verstaatlicht.
Für das zurückgebliebene Mobiliar und die Haushaltsgegenstände wurde
eine Schiedskommission gegründet, die diese Gegenstände schätzte und
zum Verkauf anbot.
1956 traten ca. 80 % der bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe – darunter auch
die staatlich verwalteten – der LPG bei. Später ging auch noch der verbliebene Rest in die LPG.
Es brachten nicht alle Vieh und Land mit ein – auch viele Arbeiter wurden Mitglied.
1973 gründete sich die LPG Pflanzenproduktion aus den LPGn Wagenitz, Senzke,
Pessin und Haage.
1974 baut diese LPG an der Hamburger Chaussee ein großes Kartoffellagerhaus.
Die Kartoffeln kommen vom Acker, werden in den Hallen von Hand sortiert, kommen
in Paletten und werden eingelagert. Insgesamt konnten 12 000 Tonnen Kartoffeln
gelagert werden.
1978 konnte der neue Kindergarten bezogen werden.
Bis dahin war der Kindergarten im alten Schloß unterbracht.
1982 wurde mit dem Bau einer modernen Milchviehanlage begonnen.
Im November 1983 wurde sie feierlich übergeben.
Im Juni 1987 fallen das ehemalige Schloß und das angrenzende Inspektorhaus
endgültig der Spitzhacke zum Opfer. Das Inspektorhaus wird ganz und das Schloß
bis auf das Erdgeschoss abgerissen. Die LPG Pflanzenproduktion Wagenitz baut
das Erdgeschoß zu einem Mehrzweckgebäude aus, welches 1988 weiter ausgebaut wird.
...
Die älteste Ulme des Landkreises Nauen stand noch im Herbst 1991 in Haage.
Ihr Alter wurde auf 300 – 350 Jahre geschätzt. Leider fiel sie
einem Herbststurm zum Opfer.
4 Eichen aber haben bisher allen Stürmen getrotzt.
Sie alle werden auf ein Alter von ca. 400 Jahren geschätzt.
Die sogenannte Förstereiche
– vor dem ehemaligen Forsthaus stehend –
ist eine Stieleiche mit einem Umfang von 5,20 und einer Höhe von 30 Metern.
Sie zählt zu den ältesten Eichen im Kreisgebiet.
Des weiteren gibt es die Stieleiche am Weinberg.
Ihr Umfang beträgt 4,50 und die Höhe 20 Meter.
Eine weitere Stieleiche steht am Martinsberg.
Ihr Umfang beträgt 5 und ihre Höhe 25 Meter.
Die siamesische oder auch Zwillingseiche
– so genannt wegen ihrer zusammengewachsenen Stämme –
hat einen Umfang von 4,80 und eine Höhe von 25 Metern.
Eine Kuriosität in unserem heimischen Wald ist ein seltsames Pärchen.
Eine etwa 80 bis 90 Jahre alte Eiche hat sich mit einer Kiefer „gepaart“.
Beide Bäume stehen so eng umschlungen, als kämen sie aus einer Wurzel.
Mit einer stattlichen Höhe von 20 Metern bieten sie einen nicht alltäglichen Anblick.
Das Pärchen steht direkt an der Heerstraße.
...
Das kleinste aber gleichzeitig ein lebenswichtiges Bauerk im Dorf war der
Backofen. Meist gab es mehrere davon im Ort. In Haage gab es ca.
9 bis 12 Stück. Das Gut besaß 2 Backöfen.
Die Backöfen galten als sehr feuergefährlich und darum gab es eine Vorschrift
„Über die Anlegung von Backöfen in den Dörfern“ vom 16. April 1761.
So sollten die Backöfen künftig mit Schornsteinen versehen sein und mindestens
30 – 40 Schritte von Gebäuden entfernt stehen.
Bei Sturm durften die Öfen nicht beheizt werden.
Das Holz mußte jeder selbst liefern.
Auch durften die Öfen nicht auf Dorfstraßen gebaut werden.
Da gegen diese Verordnung häufig verstoßen wurde, waren die Kontrollen
sehr streng. In Haage hatte fast jeder Bauer einen eigenen Ofen.
Sie standen alle in den Gärten hinterm Haus.
...
Über die Gemeinde Haage gibt es noch viel zu erzählen. Hier seien
die Kirche und Pfarre,
der Großbrand aus dem Jahre 1806 sowie
das Hochwasser 1936 und 1972,
der Einschlag des Kugelblitzes im Jahre 1962 in die Kirche sowie
die Jahre nach der Wende
genannt.
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