Jahnberge/Warsow

 

... liegt am Rande zwischen Luch und Höhe – wie andere Dörfer auch -
sicherlich wegen des hier günstigen Zugangs zum Wasser – zum Grundwasser.

 

Es zählt zu den kleinen Dörfern im Amtsbereich. Im Jahre 1995 lebten hier

199 Einwohner – davon 83 im Ortsteil Jahnberge.

Mit Stand per 31. Dez. 2001 lebten in Warsow und Jahnberge insgesamt

240 Einwohner.

 

Warsow war und ist ein reines Bauerndorf – ohne Gewerbe oder Industrie,

ohne Bahnhof, obwohl die Strecke Berlin – Hamburg dicht am Ort

vorbeiführt. Dies spiegelt sich auch in der Einwohnerzahl wider:

 

1541                      117 Einwohner

1781                                           200 Einwohner

1800                                           102 Einwohner

1836                                           129 Einwohner

1895                                           239 Einwohner

1933                                           127 Einwohner

1945                                           129 Einwohner

1946                                           454 Einwohner

1949                                           194 Einwohner

1960                                           210 Einwohner

1988                                           149 Einwohner

1985                                           116 Einwohner.

 

In den ersten Urkunden heißt der Ort „Warse“, das kann bedeuten:

„War ein See“, was für das Luch in alten Zeiten eine zutreffende

Bezeichnung sein konnte.

 

Die Melioration in der ersten Hälfte des 18. Jh. – Havelluch – mag die Bewirt-

schaftbarkeit für Warsow nur wenig verändert haben, weshalb die

Bevölkerungszahl gleich blieb. Erst die Arbeiten im Rhingebiet, wohin der Kleine

Hauptkanal und Grenzkanal entwässert, hat wohl größere Möglichkeiten eröffnet,

so dass ab Mitte des 19. Jh. mehr Menschen im Dorf leben konnten.

 

Im Jahre 1872 wurden die alten Bauernhäuser abgerissen. An ihrer Stelle

stehen heute noch die respektablen Bauernhäuser im Dorfkern.

Und aus dem ursprünglichen Rundling entstand sukzessiv das derzeitige,

von der Straße VietznitzBrädikow bestimmte Bild.

 

Die Straße von Vietznitz wurde im Jahre 1872 fertiggestellt und damit der Zugang

zum Ort verbessert. Um 1900 wurde die durchgängige Chaussee von Friesack

über Warsow und Brädikow bis Wagenitz fertig.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch in Warsow Flüchtlinge aufgenommen

und zwar im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viele. Doch schon wenig später

- 1949 - waren die meisten wieder abgewandert. Und gegenwärtig ist wieder

nahezu die Einwohnerzahl von 1541 erreicht – eine Tendenz vieler Bauerndörfer

ohne Industrie und Handwerk.

 

Spät – erst im Jahre 1541 – wird Warsow urkundlich erwähnt. Man nimmt daher

an, dass es sich um eine Neugründung durch die Familie Bredow handelt.

 

Warsow hatte keinen eigenen Pfarrer, das Dorf wurde vom Pfarramt Friesack

mitbetreut. Daher mußte sich auch die Gemeinde an allen

anfallenden Kosten beteiligen.

 

1635 werden sämtliche Gebäude der Pfarrstelle zu Friesack durch einen Brand

vernichtet. Die Gemeinde Warsow wird beauftragt, die Scheune der Pfarrstelle

wieder aufzubauen. Vietznitz erhält den Auftrag, die Stallungen neu zu errichten

und Friesack das Wohnhaus. Außerdem müssen Warsow und Vietznitz, welche

noch immer zur Kirchengemeinde Friesack gehören, je zur Hälfte das Bauholz

beschaffen. Die Kosten dafür haben sie selbst zu tragen.

 

1675 fingen die Warsower an, für ein Gotteshaus zu sparen.

Im Jahre 1683 war die Kirche fertig und wurde eingeweiht.

1700 schafft die Gemeinde Warsow 2 Glocken an,

eine größere und eine kleinere.

 

Aufmerksamkeit verdient eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1739:

Es sei ein sehr strenger Winter gewesen, so dass sämtliche Weinreben

erfroren sind. Es wurde also Wein angebaut.

 

Im Jahre 1845 begann der Bau der Berlin-Hamburger Bahn auch im Havelland.

Der Bau dieser neuen Verkehrsverbindung brachte für die Bauern von Warsow

auch ein Problem mit sich (Verschüttung von Gräben).

Ob die anberaumte Zusammenkunft am 13. Januar stattfand und eine Einigung

erzielt wurde, konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.

 

1858 wurde mit dem Bau der Schule begonnen. Es war ein kleiner einfacher

Holzbau, der neben der Kirche seinen Platz fand.

 

1860 befanden sich in Warsow 3 öffentliche Gebäude, 23 Wohnhäuser

und 51 Wirtschaftsgebäude.

 

Der zuständige Gerichtsbezirk war zu dieser Zeit Rathenow.

 

Am 21. August 1875 entschloß sich die Gemeinde, einen neuen Begräbnisplatz

außerhalb des Dorfes anzulegen. Mit einem Schreiben an den Herrn

Prediger Salzwedel, Hochwürden von Friesack, bitten sie, dem Bau zuzustimmen.

14 Tage später kam die Antwort auf diesen Antrag, mit dem Vermerk, dass

von seiten des Pfarramtes keine Einwände gegen die Wahl des neuen

Begräbnisplatzes vorliegen. Es wurde unverzüglich mit den Arbeiten begonnen.

 

1888 erhielt das Schulhaus eine harte Bedachung.

Zu dieser Zeit wurden 40 Schüler von einem Lehrer unterrichtet.

 

Im Jahre 1913 erhielt Warsow elektrisches Licht.

 

1919 wurde – nach Besichtigung des Schulgebäudes – beschlossen, eine neue

Schule zu bauen. Im Jahre 1921 wurde dann das alte Schulgebäude abgerissen.

Nachdem diese Arbeiten beendet waren, kam man zu der Ansicht, dass die

Kirche ihren alleinigen Platz haben sollte. Es wurde beschlossen,

der neuen Schule einen neuen Standort zu geben.

Es wurde sich für den Platz am Sandberg (heutiges Gemeindeamt)

entschieden. Während der Bauarbeiten fand der Unterricht

in der Kirche statt.

 

Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Hunger und Elend bahnten sich,

wie auch schon im Ersten Weltkrieg, an. U. a. wurden die Arbeitskräfte weniger,

da die Männer in den Krieg ziehen mußten und deshalb kamen Zivilpolen, die

auf den Höfen der Bauern in den Kriegsjahren arbeiteten.

 

Es fielen auch in Warsow Bomen – z. B. hinter der damaligen Schule (heutiges Gemeindeamt).

Menschen und Gebäude kamen nicht zu Schaden.

 

Bewohner des Ortes und die einquartierten Zivilpolen machten die gefallenen Bomben

unschädlich. Auch einige Flugzeuge stürzten im Wald an der Vietznitzer Grenze ab.

Es gab Tote, ein Fallschirmspringer wurde schwer verletzt ins Krankenhaus

nach Friesack gebracht.

 

...

 

Der Ortsteil Jahnberge

liegt 5 km in östlicher Richtung von Warsow entfernt – auf einer flachen Talsand-

erhebung im Havelländischen Luch.

 

Vorher zu Brädikow gehörig, kam Jahnberge im Zuge der Gebietsreform im

Jahre 1952 zu Warsow. Historische Bindungen gab es nicht, so dass der heutige

Ortsteil eine ganz eigene Geschichte hat.

 

Der Name wurde im Jahre 1937 gegeben.

Die Siedlungsgenossenschaft „Eigene Scholle“ hatte Land erworben, das

verschiedenen Gemeinden – so auch Senzke und Haage – gehörte.

 

Man errichtete ein Verwaltungsgebäude, ein Wirtschaftsgebäude – Speicher

und eine Maschinenhalle. Außerdem wurden Baracken für den Arbeitsdienst

errichtet und ab 1940 für Fremd- und Zwangsarbeiter aus dem Osten.

 

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges schossen die vorrückenden polnischen

Truppen das Verwaltungsgebäude in Brand.

Man kann sagen, dass nach Ende des Zweiten Weltkrieges

keine Menschen mehr da waren – nur noch einige primitive Gebäude.

Was folgte, läßt sich für Jahnberge als „3. Besiedlung des Luchs“ bezeichnen.

 

In den Ort kamen Flüchtlinge aus dem Osten.

Besiedelt wurde Jahnberge nur von Flüchtlingen – von keinem einzigen

Einheimischen. Sie wohnten erst in Brädikow, bis von weither Baracken

herbeigeschafft waren und noch 1946 zur ersten Behausung wurden.

Einige Flüchtlinge hausten sogar in Erdhöhlen.

 

Das Land wurde parzelliert und jeder der 42 Siedler erhielt 8 bis 10 ha

Land plus 4 ha Wald, 3 Handwerkersiedlungen bekamen je 1 ha.

 

Das Sagen hatte in Jahnberge aber noch die sowjetische Kommandantur

in Paulinenaue und so mußten die Zuwanderer bis 1947 auf dem Paulinenauer

Gut arbeiten. Mit einem Ponygespann wurden sie abgeholt und auch

wieder zurückgebracht.

 

In den Jahren 1949 bis 1953 wurden die Häuser für die Neubauern errichtet;

bestehend aus 3 kleinen Zimmern und Küche – ohne Stall – mit einem Kredit

auf 99 Jahre, an dem einige noch heute zahlen.

Der Stall wurde selbst mit Holz aus dem eigenen Wald gebaut.

 

1951/52 wurde der kleine Konsumladen in alten Baracken eingerichtet,

das Feuerwehrdepot und eine Kirche gebaut,

1953 entstand schließlich die Schule.

Es entstand eine einfache Infrastruktur und die Straße nach Lobeofsund

wurde – Jahre später – asphaltiert.

 

Im Jahre 1969 wurde die Schule geschlossen und sozusagen durch den

Schulbus ersetzt. Im Jahre 1995 benutzten ihn noch 9 Schüler.

 

1958 gingen alle Betriebe in zunächst 2 – später eine LPG Typ I namens

„Blühendes Luch“. 1963 wurde eine LPG Typ III gebildet, der sich bis 1968

auch die noch im Typ I verbliebenen Bauern anschlossen.

Bei der Gründung 1958 übergab die MTS kostenlos eine kleine Werkstatt,

4 Traktoren und Ackergeräte.

 

Haupteinnahmequellen der Bauern waren Milch und Hanf.

Hanf gedeiht auf Standorten wie um Jahnberge prächtig.

Es wurden Einnahmen von bis zu 1 Mill. M erwirtschaftet.

Im Jahre 1972 wurde der Hanfanbau überall eingestellt.

 

Obwohl Jahnberge zu Warsow gehörte, führte dahin nur ein Feldweg.

Auch nach Paulinenaue führte nur ein Feldweg.

Wegen der nun notwendigen umfangreichen Futtertransporte wurde

1972/73 der Weg nach Warsow und nach Brädikow als Spurplattenweg

ausgebaut; nach Paulinenaue unglücklicherweise nur in Kalk-

stabilisierung mit dünner Bitumendecke.

 

Waren es einmal 151 Einwohner (1969), so waren es 1995 nur noch 83;
meist ältere Leute. Die Kinder wandern ab, weil keine Häuser mehr

gebaut werden durften. Allein 3 Familien zogen nach Paulinenaue.

 

Nun beginnen sich die Enkel für die Anwesen zu interessieren.

Arbeit gibt es auch anderwärts nur außerhalb des Dorfes.

Und neue Gesichter tauchen auf.

Berliner nutzen die Chance, Grundstücke preiswert zu erwerben.

Einige Wochenendhäuser sind schon entstanden,

umgeben von Gartenanlagen.

Sogar der ehemalige Offenstall fand Käufer.

Der kleine Ort Jahnberge veränderte wieder einmal sein Gesicht...

 

...

 

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„Amtsbereich Friesack

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Bürgerinformation

 

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Viel Vergnügen beim Lesen   u n d

noch viel Freude

auf den Internet-Seiten des Amtes Friesack.