V i e t z n i t z

 

Vietznitz wird im Jahre 1365 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Der Name Vicenitz – wie er in der ersten Urkunde geschrieben wird –

läßt sich von dem lateinischen Wort vicus ableiten und

ursprünglich als Häuserreihe oder Dorf deuten.

Vietznitz ist ein Reihendorf.

 

Aber auch der Name eines Herrn Jan Vycenytz spielt mit der ersten

Erwähnung des Dorfes eine Rolle. Da sich hier slawische Stämme ansiedelten,

kann auch dieser offensichtlich slawische Namen eine Bedeutung haben.

Der Name ist mehrdeutig.

Möglich ist auch, dass er von dem Wort „Vysnica“
- hoch gelegener Ort - abstammt.

 

Vietznitz liegt am Rande des Ländchens Friesack, welches sich aus der niedrigen Luchlandschaft erhebt. Deshalb ist die Deutung „hoch gelegener Ort“ gut möglich.

 

Das Rittergut Vietznitz gehörte über viele Jahrhunderte der Familie von Bredow.

 

Der ursprünglich in einer Hand befindliche Besitz wurde allmählich durch Teilungen unter mehrere voneinander abgezweigte Familien des Bredowschen Geschlechts zersplittert und der Anteil jeden einzelnen wurde dadurch geringer.

 

Das Rittergut Vietznitz zerfiel in 2 Anteile.

Ein Teil gehörte der Bredow-Friesackschen und der andere Teil

der Bredow-Landiner Linie.

 

Das Schloss der Bredows in Vietznitz wurde erst Anfang des 19 Jh. gebaut.

Der letzte Besitzer – Freiherr von Bredow – mußte das Gut 1936 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufen. Damit ging die Zeit der Bredows in Vietznitz zu Ende.

 

Das Gut wurde von Herrn Thomae erworben.

Nach der Bodenreform 1947 wurde es aufgesiedelt.

Vom Schloß – ein modern gotisierender Putzbau – ist nur noch ein Teil vorhanden.

Das Lehnschulzenhaus, an dem das Gutshaus angebaut worden war, mußte

altershalber abgerissen werden. Auch der Turm fehlt. Heute wohnen

mehrere Familien in diesem Gutshaus.

 

1708 waren im Dorf:  6 Zweihüfner, 4 Anderthalbhüfner, 3 Einhüfner, 1 Schulze,

1 Halbhüfner, 2 Kossäten und 1 Kuhhierte mit Vieh ansässig.

Die Ländereien bezogen sich auf 23,5 Hufen.

 

1772 hatte Vietznitz:  177 Einwohner – darunter 19 Bauern, 5 Kossäten und Büdner.

 

Im Jahre 1800 hatte Vietznitz 206 Einwohner.

In den alten Aufzeichnungen steht zu lesen, dass 33 Feuerstellen vorhanden waren.

Die Einwohnerschaft bestand aus:

14 Ganzbauern, 7 Halbbauern, 1 Kossat, 3 Büdner, 5 Einlieger, 1 Krug, 2 Güter

und 4 Lehnhöfen.

 

Im Jahre 1833 brach ein Großfeuer aus, wobei 5 Höfe eingeäschert wurden.

Es entstand ein Gesamtschaden von 4860 Talern, was in der damaligen Zeit

eine gewaltige Summe war.

Die Mutter des Bauern Dreusicke, welche seit längerem krank war,

ist bei dem Feuer umgekommen.

Auch verbrannten teilweise Kühe, Schweine und Schafe.

16 Ortschaften waren mit Spritzen und Wasserwagen bei der Bekämpfung

des Feuers beteiligt. Bei der Untersuchung über die Entstehung des Feuers

konnte kein Schuldiger ermittelt werden.

Die geschädigten Bauern waren bei der Feuersozietät versichert und

konnten somit ihre Höfe wieder aufbauen.

 

1858 hatte Vietznitz 303 Einwohner.

Im Jahre 1860 besaß Vietznitz 4 öffentliche Gebäude, 41 Wohn- und

74 Wirtschaftsgebäude und eine Getreidemühle.

Auf dem Gut befanden sich 2 Wohnhäuser und 6 Wirtschaftsgebäude.

Die Gemarkungsgröße betrug 2359 Morgen.

 

1939 hatte Vietznitz 402 Einwohner.

Im Jahr 1948 erreichte die Einwohnerzahl mit 670 den höchsten Stand,

da es viele Umsiedler nach Vietznitz verschlagen hatte.

 

Im Jahre 1992 waren es nur noch 295 Personen – etwa soviel

wie Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Die Abwanderung aus dem Dorf vollzog und vollzieht sich auch hier,

da allein die Landwirtschaft das wirtschaftliche Leben bestimmt.

 

Der 15. Dez. 1846 war auch für die Einwohner von Vietznitz ein bedeutender Tag.

Die Eisenbahnstrecke Berlin-Hamburg wurde eröffnet.

Der Bau der Eisenbahnstrecke brachte für die ansässigen Bauern von Vietznitz

aber auch manche kleinen Sorgen, die diese durch ein Schreiben an den

Königlichen Landrat aufzeigten.

Was aus der Eingabe geworden ist, konnte leider nicht ermittelt werden.

 

Im Jahre 1893 stellt die Gemeinde den Antrag an die Eisenbahndirektion

auf Genehmigung einer Haltestelle der Berlin-Hamburger-Eisenbahn.

Es wurde die Befestigung des Weges zur Haltestelle beschlossen
– mit Finanzierung aus eigenen Mitteln.

 

Lt. Unterlagen der Bahn existierte bereits um die Jahrhundertwende

der Haltepunkt (ohne Weichen) mit Wärterwohnhaus.  Im Jahre 1915 wurden Gleiserweiterungen vorgenommen und das Bahnhofsgebäude erbaut.

In diesem kleinen Bahnhofsgebäude gab es einen Wartesaal

1. und 2. Klasse sowie einen 3. und 4. Klasse.

Der Bahnhof wurde 1995 geschlossen.

 

Am 11. Mai 1936 fuhr ein 3-D-Zugwagen – 1 Meßwagen –

gefördert von der Dampflok 05002 auf der Strecke von Hamburg Hbf.

nach Berlin-Spandau

Geschwindigkeitsweltrekord für Dampflokomotiven.

Am km 52 zwischen Vietznitz und Paulinenaue

erreichte der Zug 200,4 km/h!!!

 

 

In den Jahren 1899/1900 wurde die Chaussee Friesack-Vietznitz-Wagenitz gebaut.

Die Gemeinde hatte hierzu einen Beitrag in Höhe von 10.000 M zu leisten.

Davon trug das Rittergut 3.666,60 M.

Im Jahre 1902 wurde die neue Chaussee beiderseits mit Bäumen bepflanzt.

 

1921 wird in Vietznitz eine elektrische Ortsbeleuchtung installiert.

An 4 Stellen werden Brennstellen aufgestellt (heute sind es 22).

 

 

Im Zuge der Bodenreform wurden im Jahre 1947  358 ha auf 64 Eigentümer aufgeteilt.

Es waren 17 landlose Bauern und Landarbeiter, 1 landarmer Bauer, 15 Umsiedler und

27 nichtlandwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte.

4 Altbauern bekamen Waldzulagen.

1949 gab es in Vietznitz 16 Altbauern und 25 Neubauern.

Die damals ins Leben gerufene VdgB-Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe

war gerade für die Neubauern eine unschätzbare Hilfe.

Im Jahre 1954 gründete sich die erste LPG Typ III.

Ein MTS-Stützpunkt wurde zuerst abgelehnt. Aber 1958 wurde der erste Traktor
- ein „Aktivist“ gekauft - und nun war Vietznitz doch ein MTS-Stützpunkt.

Den Bauern wurde hierdurch manche schwere Arbeit erleichtert.

Wenn sie Hilfe brauchten, war die MTS für sie da.

1960 vergrößerte sich die LPG Typ III.

Unter der Leitung des Vors. Klaus Kröger festigte sich die Genossenschaft

und wurde zum größten Betrieb im Ort.

Anfang der 70er Jahre begann eine erneute Umstrukturierung der Landwirtschaft.

Die Pflanzen- und Tierproduktion wurden voneinander getrennt.

Die Einheiten waren zu vergrößern.

So wird im Jahre 1975 die KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) gegründet.

Sie setzte sich zusammen aus den Abteilungen der KAP LPG Friesack, Vietznitz,

Wutzetz und des VEG Damm.

1977 bildet sich aus der KAP die LPG Pflanzenproduktion und aus den 3 LPG

Tierproduktion eine Groß-LPG Tierproduktion.

Beide LPGen haben ihren Hauptsitz in Friesack.

 

Im Jahre 1974 wird Herta Schindler Bürgermeisterin und

sie war es bis zur Wahl im Jahre 1993.

Ihr Leben ist ein Zeitdokument.

 

...

 

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auf den Internet-Seiten des Amtes Friesack.