B r ä d i k o w
Die Namensbezeichnung des Ortes änderte sich im Laufe der Zeit.
1390 Bredekow
1413 Bredeko desolata
Wahrscheinlich hängt diese Bezeichnung damit zusammen,
dass es – nach einem Beleg aus dem Jahre 1412 – ursprünglich 2 Dörfer gab – Ober- und Niederbredekow, von denen 1413 eines als wüst bezeichnet wurde.
1459 Bredekov
1495 Bredekaw
1541 Bredikow
1718 Brecko
1775 Bredickow
1805 Brädikow.
Im Jahre 1390 wird ein Hasso von Bredow als Besitzer des Dorfes genannt.
Ob nun Brädikow als Ableitung des Namens Bredow oder einem „Boldewino
Bredekow“ in Rathenow zusammenhängt, läßt sich derzeit nicht genau klären.
Ein Rittersitz oder Freihufen waren – soweit sich erkennen läßt – niemals in Brädikow
vorhanden. So finden sich im Schloßkataster der Bredow`s aus dem Jahre 1641
keine Hinweise und Karten.
Es sind auch keine Eintragungen vorhanden, die auf entsprechende Gebäude
vermuten lassen. Es wurde nur ein Vorwerk betrieben. Dieser Umstand war
für die Entwicklung eines reinen Bauerndorfes sehr wesentlich.
Im Jahre 1541 – also noch zu Luthers Lebzeiten – wurde die Reformation
eingeführt.
Eine Schule war damals im Dorf nicht vorhanden. Dagegen ist von einem Küster
die Rede, der offenbar an die Stelle des früheren katholischen Meßmers getreten war.
Im Jahre 1569 versuchte Hartwig II. von Bredow eine geschlossene Grundherrschaft
zu schaffen. Durch hohe Abgaben belastete er die Bauern, ihm unangemessene
Dienste zu leisten. Die Bauern leisteten Widerstand, wobei ihnen zeitweise
die Ungnade des Kurfürsten gegen den Junker zugute kam.
Ein Verhaftungsversuch in Brädikow führte 1579 zum Fronstreik.
Die Bauern setzten ihre Bredow`sche Vögte fest, bewaffneten sich,
wählten einen Obersten und Rittmeister zu ihrem Führer.
Obwohl die Ernte auf dem Halm stand, erschienen sie nicht zur Arbeit,
boykottierten die patrionalen Gerichte und riefen durch Boten die Untertanen
der Gutsherren zum Anschluß auf.
Im 30jährigen Kreig von 1618 – 1648 entstanden große Schäden.
Auch die Bewohner von Brädikow hatten unter den Schrecken des Krieges zu leiden.
Kaum hatten sich die Menschen von diesem furchtbaren Krieg erholt, kamen die
Schweden mit ihren Gewalttaten ins Land.
Aus Brädikow ist bekannt, dass die Schweden aus dem Luch 70 Pferde, 6 Ochsen,
die gesamten Lebensmittel und alle Mobilien raubten. Sie peinigten die Leute,
so dass sie vor Hunger fast starben.
Am 27. Januar 1818 wurde der Bernhardinenhof von Friedrich Philipp Leopold
Ferdinand von Bredow als Vorwerk des Rittergutes zu Briesen erbaut
und nach dessen Frau Bernhardine von Wulfen benannt.
Es lag 5/8 Meilen südlich von Friesack.
Der Rittmeister stellte am 22. August 1818 den Antrag, dass die Fertigstellung des Bernhardinenhofes im Amtsblatt bekannt gemacht wird.
1857 brach auf dem Bernhardinenhof eine Rinderlungenseuche aus. Sie ver-
breitete sich bis ins Dorf und herrschte bis ins Frühjahr 1858.
Die Bauern wurden in diesem Jahr doppelt bestraft – einmal mit der Seuche und
zum anderen mit der geringen Ernte, die durch das schlechte Wetter
hervorgerufen wurde.
Das Dorf entwickelte sich parallel zur Landstraße Wagenitz – Warsow,
westlich davon lag das Vorwerk Bernhardinenhof (1840).
Im Dorf entstanden im Laufe der Zeit stattliche Höfe mit prächtigen Bauernhäusern,
eine Folge des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs seit der Mitte des
19. Jh. Einen fast gradlinigen Abschluß bildeten die Scheunen (1900), die
inzwischen bis auf Reste verfallen und abgerissen sind. Gartenland und Baum-
wiesen schließen sich bis heute an.
Die Aufsiedlung des Vorwerkes ist ebenso zu erkennen wie die Wirtschafts-
gebäude der LPG im Norden (1980).
Die Vergrößerung des Dorfes im 19. Jh. ist bis zu einem gewissen Grade an der
Entwicklung der Einwohnerzahl zu erkennen. von 1818 bis 1863 lebten im Durchschnitt
pro Jahr 317 Personen im Ort. Davon waren 149 männlich und 168 weiblich.
Von 1864 bis 1878 waren es 360 Einwohner,
von 1879 bis 1894 415, wobei die Schwankungen von Jahr zu Jahr gering waren.
Die höchste Einwohnerzahl wurde im Jahr 1948 verzeichnet.
Gegenwärtig leben in Brädikow 338 Personen (Stand per 31. Dez. 2001).
Ende April 1945 gab es um Brädikow schwere Kämpfe.
Am 27. April wurde es ernst.
Von Nordosten – von Jahnberge her – zog Infanterie heran
- von einer polnischen Division. Die Deutschen hatten an der Bahn Stellung
bezogen – Infanteriefeuer setzte ein.
Nachdem der Beschuß stärker und anhaltender wurde, gingen die Leute
in den Luftschutzbunker – einen Erdbunker.
Aber schon bald mußten sie ihn verlassen, der Bunker sollte Verwundete aufnehmen.
Inzwischen waren offenbar sowjetische Truppen zur Verstärkung eingetroffen.
Stalinorgeln schossen jetzt Tag und Nacht auf das Dorf und die Umgebung –
auf der Höhe stand deutsche Artillerie.
In einem Keller wurde ein Lazarett eingerichtet.
Die Kämpfe wogten hin und her – letztmalig am 30. April 1945.
Zahlreiche deutsche Soldaten liegen im Massengrab in Brädikow – und noch
eine ganze Anzahl liegt irgendwo – auch Sowjetsoldaten.
Ein deutscher „Ritterkreuzoffizier“ wollte unter allen Umständen das
Dorf Brädikow halten. So kam es zu diesem starken Gefecht, in dem
die Rusen unter anderem
Granatwerfer – auch „Stalinorgel“ genannt -
einsetzten. Dabei wurden das Schulgebäude an der Kirche und ein
Wohnhaus völlig zerstört. Die Kirche und auch andere Gebäude erlitten
zum Teil sehr starke Beschädigungen.
Als die Russen dann noch in Brädikow einmarschierten, brannten sie alle
Scheunen – außer die von Rhinow, Zachen, Cammrath und Schünhoff – nieder.
Die Einwohner von Brädikow versteckten sich während dieser Zeit aus-
schließlich in ihren Kellern. Ein Teil von Bewohnern der Blumenstraße
verbrachte die erste Nacht in selbstausgehobenen Gräben im Wald.
Noch viele Jahre danach waren die Kämpfe gegenwärtig. Es wurden bereits
mehrmals Granante gefunden, welche z. B. 1946 weiteres Leid mit sich brachte.
Munition wurde immer wieder gefunden, welches jedoch nicht solche Tragweite
hatte, wie die Begebenheit aus dem Jahre 1946. Es werden mit Sicherheit
noch weitere Munitionsfunde vorkommen. Hoffentlich gehen diese auch so
glimpflich aus, wie bei den letzten Funden.
...
Die LPG (T) – Tierproduktion Brädikow bildete sich im Jahre 1974 nach der
Trennung von Pflanzen- und Tierproduktion – erstere kam zum VEG Selbelang.
Zur LPG gehörten auch die Tierproduktionen von Warsow und Jahnberge.
In Brädikow lag der Schwerpunkt in der stationierten Sauenhaltung.
Aus Mitteln der LPG wurden nicht nur die Wirtschaftseinrichtungen sukzessive verbessert, sondern auch Sozialeinrichtungen geschaffen, wie die Kinderkrippe.
Heute stehen die Ställe leer und sind dem völligen Verfall preisgegeben.
Ihre Modernisierung würde – angesichts der ökonomischen Situation in
der Schweineproduktion – zu teuer werden.
Jetzt – nach der Rückgabe der Bauernhöfe – stehen schöne große
Gehöfte zum Verkauf und einige haben bereits den Besitzer gewechselt.
Es sind Berliner, die sich hier niederlassen – und sei es auch vorerst fürs
Wochenende. In diesem Sinn lockt das Land diesen oder jenen Großstädter...
...
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Viel Vergnügen beim Lesen u n d
noch viel Freude
auf den Internet-Seiten des Amtes Friesack.