F r i e s a c k

 

Das alte Friesack liegt auf einer niedriger Bodenschwelle – zwischen dem Friesacker Rhin

und den Rändern des Hochplateaus. Im Laufe der Zeit wuchs die Stadt. Heute liegen wesentliche Teile auf dem Hochplateau des Friesacker Ländchens
– wie z. B. auf dem Mühlenberg.

In der früheren Zeit war dies eine strategisch wichtige Stelle.

 

Von Osten über Norden bis Westen bot der Sumpf – das Luch – Schutz und die sicherlich vorhandenen Übergänge oder Furten zum Ländchen Bellin und zum Ländchen Ruppin ließen sich leicht kontrollieren. Man konnte sie schließen oder Zoll erheben.

 

Zudem floss der Rhin anders als heute – nämlich südlich der Burg – zwischen der

heutigen Kirche und dem Postgebäude und soll selbst für größere Kähne der damaligen Zeit

schiffbar gewesen sein.

 

Zur Burg führte eine Zugbrücke.

Tiefe Gräben schützten die südlich gelegene Stadt. So floss der eine im Verlaufe

der heutigen Rhin-, Wilhelm-, Ober- und Niederwallstraße – der äußerste durch

die Große und Kleine Schanze.

 

Nach der Eroberung durch Albrecht den Bären hat man die Anlagen verstärkt.

1217 wurde Friesack erstmalig urkundlich genannt.

Die Burg entstand erst später, denn erst nach 1250 wurde in Brandenburg

mit Steinen gebaut. Im Jahre 1318 wird sie in einer Urkunde genannt.

 

1327 wird Friesack als Stadt bezeichnet.

Mitte des 18. Jh. verschwanden die Gräben und Befestigungen.

 

Aufgrund der Lage der alten Stadt war die alte Burg eine Wasserburg, auf

einer aufgeschichteten Dünenkuppe gelegen. Diese Lage der Burg hatte auch

ihre Nachteile – bedingt durch die Entwicklung der Waffentechnik.

Sie trug wesentlich zum Ende der kurzen Herrschaft der Raubritter von

Quitzow bei, die von 1409 bis 1414 dauerte.

 

Die Brüder Johann und Dietrich von Quitzow galten als die gefürchtetsten Ritter.

 

Dietrich erwarb Friesack – er herrschte nur mit Unterdrückung und Gewalt.

 

Im Jahre 1414 wurde dieser brutalen Zeit durch den

Burggrafen Friedrich I. ein Ende gesetzt.

Am 06. Februar kam er selbst nach Friesack und traf Vorbe-

reitungen zur Burgeroberung.

 

Friedrich ließ die Stadt niederbrennen – nun waren die Ringmauern der Burg

der „Faulen Grete“ ausgesetzt... Nach ein paar Tagen erkannte

Dietrich von Quitzow, dass er die mächtige Burg nicht mehr halten konnte

und bevor es zur Übergabe kam, soll er durch das Luch geflohen sein.

 

Der älteste urkundlich nachzuweisende Ahnherr ist der Ritter Arnold von Bredow,

der 1251 als Besitzer des Dorfes Bredow erwähnt wird.

 

Mit dem Erwerb des Ländchens Friesack im Jahre 1335 stieg die Familie von Bredow

- obwohl sie wahrscheinlich nur gewöhnlichen ritterlichen Ursprungs war -
zu einer der vornehmsten und einflussreichsten Adelsfamilien der Mark empor.

 

Im Jahre 1935 würdigte man und feierte 600 Jahre Ansässigkeit

der Bredows in Friesack.

 

Die weitverzweigte Familie durchlebte im Laufe der Jahrhunderte Höhen und Tiefen

des menschlichen und wirtschaftlichen Geschehens – abhängig von den jeweiligen

Herrschaftsverhältnissen. Jedoch waren die Bredows immer treue und zuverlässige

Stützen des Staates, solange er brandenburgisch-preußisch-kaiserlich deutsch war.

 

In der Zeit der Weimarer Republik kamen die Güter der Burg Friesack, Briesen, Klessen

und Vietznitz – ältester Besitz im Ländchen Friesack – unter den Hammer – infolge

fälschlicherweise auf Vertrauen hin ausgestellter umfangreicher Wechselbürgschaften.

 

Die Familie konnte die Besitzungen nicht mehr zurückerwerben und mit Ende des

Zweiten Weltkrieges blieb denen von Bredows nur noch die Flucht
- trauriges Ende einer der bedeutendsten Familiengeschichten -
zumindest im Land Brandenburg.

 

Landwirtschaft, Handwerk und Handel entwickeln sich seit der Mitte des 18. Jh.,

was durch die Melioration des Havelländischen und des Rhinluchs begünstigt wird.

Friesack wächst.

 

Im Jahre 1779 zählte man in Friesack 1.131 Einwohner; im Jahre 1800

waren es bereits 1.289 Personen.

 

1900 lebten 3.331 Einwohner in der Stadt, die größte Zahl, die nach 2.952 Ein-

wohnern im Jahre 1939 nur im Jahre 1946 mit 3.351 Einwohnern kurzzeitig

übertroffen wurde.

1989 waren es nur noch 2.454 Bürger, im Jahre 1995   2.349 und

per 31. Dez. 2001  2.427 Personen.

 

In Friesack gab es auch jüdische Mitbürger.

Friesack hatte bereits 1716  3 „Schutzjuden“.

1755 wurden 4 „israelische“ Familien genannt.

1871 hatte Friesack 24 und im Jahre 1895  16 Bürger jüdischen Glaubens.

Sie waren meist Händler und Kaufleute.

 

So gab es auch eine Synagoge mit einem im Ort wohnenden Rabbiner.

Später wurde das Haus bewohnt und in den 70er Jahren abgerissen.

 

Ein jüdische Friedhof - eine Seltenheit weit und breit -
befindet sich bei der Siebenbrüdereiche an der Klessener Straße.

Die letzte Beerdigung ist aus dem Jahre 1919 datiert.

 

Bereits ab 1775 gab es in Friesack eine Apotheke.

 

Der Bahnhof liegt auf einer Sanderhöhung – aber 2 km vom Ort entfernt.

Diese Fehlentscheidung - und das gilt auch für andere Kleinstädte -
begrenzte die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt im heraufziehenden

Industriealter einschneidend.

 

Friesack war offenbar eine Hochburg der Pantinenmacher.

Im Jahre 1870 gab es 150 Patinenmacher, einschließlich Gesellen

und Lehrlinge.

 

Friesack war 26 Jahre lang – von 1860 bis 1886 – Garnisonsstadt.
Nach langjährigen Bemühungen der Stadt trifft am 01. Okt. 1859 ein

Ersatzeskadron des Garde-Kürassier-Regiments in Friesack ein.

Später folgte in Ablösung die 3. Eskadron der Zieten-Husaren.

Die Einquartierung erfolgte in Privatquartieren bzw. in einer Kaserne,

die an der Ecke des Scheunenviertels gestanden hat.

 

Die Garnison begünstigte den wirtschaftlichen Aufschwung,

es kam Geld nach Friesack.

Für ein längeres Bleiben war die Garnison jedoch zu klein.

 

Es gab in Friesack auch Viehmärkte.

 

Der Gedanke, ein Krankenhaus zu bauen, kam den Stadtvätern im

Jahre 1905. Dazu wurde ein Fonds gebildet und zu Spenden aufgerufen.

Eine Typhus-Epidemie in Friesack, Briesen, Pessin und Klessen im

Jahre 1908 löste den Beschluss des Magistrats zum Bau eines städtischen

Krankenhauses aus.

Das Gebäude wurde im Jahre 1915 in Betrieb genommen;

1916 übernahm die Stadt die Verwaltung.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die medizinische Betreuung immer weiter

ausgebaut, indem Spezialisten von auswärts Sprechstunden abhielten.

Ende des Jahres 1968 wurde das Krankenhaus geschlossen. Es war zu klein,

um den höheren Anforderungen entsprechen zu können.

 

Es entstand das Landambulatorium mit zunächst 3 und später nur noch

2 Ärzten – ab Ende 1995 praktizierte dort nur noch 1 Arzt.

 Jetzt ist dort die AWO mit ihrem Projekt „Betreutes Wohnen“ ansässig.

 

...

 

Im Havelluch – so auch bei Fliederhorst – wurde während des Ersten Welt-

krieges und danach die Große Brennessel angebaut, um daraus Fasern

zu gewinnen. Bei Fliederhorst entstand eine Nesselfabrik, die Produktion

konnte sich jedoch ökonomisch nicht halten.

Während des Zweiten Weltkrieges hat man es wieder – vergeblich – versucht.

 

Nach mündlicher Überlieferung wurde im Jahre 1922 am Rhinkanal der

Film „Der Pampareiter“ gedreht.

Im Jahre 1931 entstand – unter reger Beteiligung von Friesackern –

als Statisten – der Streifen „Schützenfest in Schilda“.

 

 

In einem alten Bäderbuch heißt es zu Friesack:

„Der Kurgast erreicht hier eine Besserung seiner Gesundheit durch die

saubere Luft aus den ausgedehnten Kiefernwäldern, die bis an die

Stadtgrenze heranreichen.“

Heute noch heißt die Straße „Kurstraße“.

Dazu kam es - dank der Entwicklung - zu einer blühenden Kleinstadt,

nachdem die Folgen des Ersten Weltkrieges überwunden waren.

 

In Friesack gab es:

eine Freilichtbühne, eine Tennisanlage, eine Rennbahn, eine Freiluftbade-

anstalt, den Springbrunnen im Hohenzollernpark, gut gepflegte Parkanlagen

und Straßen, historische Denkmäler, im Winter 2 Rodelbahnen, ein großes

Jagdrevier. Ein Kino, 2 Hotels, mehrer Ballsäle, gute Versorgungs- und

Dienstleistungseinrichtungen boten den Rahmen für eine angenehme Kur.

 

Geruhsam und doch voller Leben war das Städtchen auch noch

kurz vor Kriegsende...

 

Gegen Mittag des 1. Mai zogen sowjetische und polnische Truppen

in die Stadt ein, die bis dahin nur wenig Schaden erlitten hatte.

Viele Einwohner hatten die Stadt verlassen.

In der Nacht zum 2. Mai fing es dann im Stadtkern zu brennen an und es

brannte noch viele Tage.

Warum???

Dafür gibt es zahlreiche Versionen...

 

Bis zur Wende waren Land- und Forstwirtschaft die wichtigsten Wirtschaftszweige.

Die landwirtschaftlichen Betriebe durchliefen den landesüblichen Weg der

Bildung von erst mehreren, dann einer LPG, bis hin zu den beiden großen

Betrieben LPG (P) – Pflanzenproduktion – und LPG (T) – Tierproduktion –

Friesack.

 

Neben den Produktionsbetrieben spielten andere Einrichtungen der Landwirtschaft

eine wichtige Rolle. Das Ortsbild prägte und prägt wesentlich mit

die Ingenieurschule für Landtechnik „M. I. Kalinin“.

Dank der Ingenieurschule war das kleine Landstädtchen überall im Lande bekannt.

In den 42 Jahren des Bestehens – von 1950 bis 1992 – haben 6500 Ingenieure für

Landtechnik die Schule im Direkt-, Fern- oder Sonderstudium absolviert.

Ferner wurden Traktoristen, Mechanisatoren für die Innenwirtschaft, Elektromeister, Landmaschinen- und Traktorenschlossermeister, Schweißtechnologen und –ingenieure

ausgebildet. Über die Ausbildung hinaus diente die Schule der Weiterbildung

leitender Kader in allen Bereichen der Landtechnik und schließlich auch der

Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Zivilverteidigung.

 

Friesack hat sich – auch nach der Wende – zu einer „Stadt der Bildung“ mit dem

Inhalt entwickelt, ein breites Spektrum anzubieten.

 

Das Vereinsleben, das in Friesack auf eine fast 200jähjrige Tradition zurückblicken

kann, gedeiht auf`s Neue und intensiviert das gesellschaftliche Leben.

 

Zu Friesack gehört der Flieder wie zu Berlin der Bär.

Zu verdanken ist dies der aufopfernden, liebevollen und fleißigen Arbeit

des Friesacker Verschönerungsvereins, der seit etwa 1830 bestand und der

ab der Jahrhundertwende dafür sorgte, dass es schöne und umfangreiche

Fliederanpflanzungen mit Flieder in allen Farben gab und gibt.

 

So wurde und wird das alljährliche Fliederfest gefeiert
- in der Regel zu Pfingsten - der schönsten Fliederzeit!

 

In einem Informationsblatt aus dem Jahre 1994 heißt es dazu:

„Das Fliederfest eröffnet eine Tradition, die wir in jedem Jahr neu

aufleben lassen wollen. Den Bürgern und Touristen wollen wir

mit dieser Schrift die Schönheiten unserer Region näherbringen,

ihnen bei der Erschließung helfen, und sie erinnern, einen guten Ruf

der Friesacker Region als Fremdenverkehrsattraktion zu verbreiten.“

 

...

 

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Falls ja, können wir Ihnen das Buch

„Amtsbereich Friesack

Streifzüge durch Ländchen und Luch

empfehlen. Dieses wäre im

Amt Friesack – Marktstraße 22, 14662 Friesack -

Bürgerinformation

 

zum Preis von 15,-- Euro käuflich zu erwerben.

 

 

Viel Vergnügen beim Lesen   u n d

noch viel Freude

auf den Internet-Seiten des Amtes Friesack.